{"id":367,"date":"2015-12-04T10:46:44","date_gmt":"2015-12-04T09:46:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fanprojekt-magdeburg.org\/wp\/?p=367"},"modified":"2019-03-06T16:51:40","modified_gmt":"2019-03-06T15:51:40","slug":"pressemitteilung-der-kos","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fanprojekt.derparitaetische.de\/?p=367","title":{"rendered":"Pressemitteilung der KOS"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Bundeskonferenz der Fanprojekte: Herausforderungen f\u00fcr die soziale Fanarbeit<\/p>\n\n\n\n<p>Mit mehr als 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fand vom 1. bis zum  3. Dezember in N\u00fcrnberg die 15.&nbsp;Bundeskonferenz der Fanprojekte statt.  Im Zentrum der Veranstaltung, die von der Koordinationsstelle  Fanprojekte bei der dsj und dem Fanprojekt N\u00fcrnberg gemeinsam  ausgerichtet wurde, standen die aktuellen Herausforderungen an die  soziale Arbeit mit jugendlichen Fu\u00dfballfans.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>N\u00fcrnbergs Oberb\u00fcrgermeister Dr. Ulrich Maly und B\u00fclent Aksen als  Vertreter des DFB unterstrichen in ihren Gru\u00dfworten die Bedeutung, die  die gewaltpr\u00e4ventiv arbeitenden Fanprojekte f\u00fcr die Herstellung einer  positiven Fankultur haben. F\u00fcr die zurzeit 56 Fanprojekte stellen DFB  und DFL insgesamt mehr als f\u00fcnf Millionen Euro j\u00e4hrlich zur Verf\u00fcgung.  Eine gleich hohe Summe wird durch die Bundesl\u00e4nder und die Kommunen  beigesteuert. Die Stadt N\u00fcrnberg, die auch die Bundeskonferenz  unterst\u00fctzte, f\u00f6rdert das lokale Fanprojekt seit 1989. Als dritter  Partner beteiligt sich das Bundesland Bayern an der Finanzierung.<\/p>\n\n\n\n<p>Rainer Koch, Interimspr\u00e4sident des Deutschen Fu\u00dfball-Bundes und \nVorsitzender des Bayerischen Fu\u00dfballverbandes, lie\u00df es sich trotz vieler\n Termine nicht nehmen, f\u00fcr einen Besuch aus M\u00fcnchen anzureisen, um den \nFanprojekt-Mitarbeiter_innen in einem pers\u00f6nlichen Gru\u00dfwort auch f\u00fcr \nihre gesellschaftspolitisch bedeutsame T\u00e4tigkeit zu danken. Michael \nGabriel, der Leiter der KOS, sagt: \u201eDies unterstreicht in besonderer \nWeise die Wertsch\u00e4tzung, die die kritischen und unabh\u00e4ngigen Fanprojekte\n bei DFB und DFL genie\u00dfen. Gemeinsam mit der Fanarbeit der Vereine ist \nes gelungen, eine positive Fankultur zu f\u00f6rdern, die Teil des \nErfolgsmodells des Fu\u00dfballs in Deutschland ist.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Der erste Konferenztag stand unter dem Motto: \u201e\u201aDa hilft kein Reden \nmehr?!\u2018 \u2013 \u00fcber die Herausforderungen in der sozialen Arbeit mit \nunangepassten jugendlichen Subkulturen&#8220;. Dementsprechend stand die \nrechtliche Situation der Mitarbeiter_innen der Fanprojekte im \nMittelpunkt der Diskussionen. Diese bewegen sich in ihrer vermittelnden \nT\u00e4tigkeit an der Schnittstelle von Sicherheit im Stadion und im \n\u00f6ffentlichen Raum und dem Darstellungsbed\u00fcrfnis der zumeist jugendlichen\n Subkultur der Fu\u00dfballfans. In einem Streitgespr\u00e4ch beleuchteten \nOberstaatsanwalt Alfred Huber und der Vorsitzende der \nBundesarbeitsgemeinschaft Streetwork, Frank D\u00f6lker, das Thema aus \njuristischer und p\u00e4dagogischer Sicht. Neben der Bedeutung der kritischen\n Parteilichkeit der Fanprojekte verdeutlichte anschlie\u00dfend Professor Dr.\n Titus Simon in seinem Vortrag die Notwendigkeit, den Fanprojekten einen\n stabileren rechtlichen Rahmen f\u00fcr die Aus\u00fcbung ihrer herausfordernden \nT\u00e4tigkeit zur Verf\u00fcgung zu stellen. \u201eJugendliche brauchen \nVertrauenspersonen, denen sie sich ohne Angst zuwenden k\u00f6nnen&#8220;, so \nSimon. \u201eWenn wir die Wirksamkeit der Fanprojekte bewahren wollen, \nbrauchen wir rechtliche Rahmenbedingungen, die ihnen eine m\u00f6glichst \ngro\u00dfe Handlungssicherheit gew\u00e4hren. Eine Orientierung k\u00f6nnten die \npositiven Erfahrungen mit dem Zeugnisverweigerungsrecht der Kolleg_innen\n in der Drogenarbeit liefern.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In der anschlie\u00dfenden Fachdiskussion beleuchteten Miriam \nHamid-Bei\u00dfner vom Fanprojekt Bielefeld, die Juristin Waltraud Verleih \nvon der AG Fananw\u00e4lte, Volker K\u00f6renzig vom Fanprojekt Karlsruhe und \nEdwin Scholz, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer der Drogenberatung \u201eDrobs&#8220; aus Ahlen, das \nThema aus der Perspektive von Sozialarbeiter_innen in der Praxis. \nDeutlich wurde die hohe Belastung, denen Mitarbeiter_innen in \nKonfliktsituationen ausgesetzt sein k\u00f6nnen. Einigkeit herrschte dar\u00fcber,\n dass ein Zeugnisverweigerungsrecht f\u00fcr Sozialarbeiter_innen, die mit \nsogenannten schwierigen Jugendkulturen arbeiten, dringend notwendig sei.<\/p>\n\n\n\n<p>Der zweite Tag der Bundeskonferenz richtete unter der \u00dcberschrift \n\u201eRassismus aussperren? \u2013 Wirksam handeln gegen gruppenbezogene \nMenschenfeindlichkeit beim Fu\u00dfball&#8220; den Fokus auf die Versuche \nrechtsgerichteter Fans und Hooligans, verlorengegangenes Terrain in den \nFankurven zur\u00fcckzuerobern. Hierzu lieferte der Politikwissenschaftler \nRichard Gebhardt aus Aachen den theoretischen Input: \u201eFu\u00dfball kann nicht\n unpolitisch sein, wie es manche Fangruppen und Verbandsvertreter gerne \nbehaupten. Gerade in der Diskussion um Rechtsextremismus, Rassismus und \nDemokratiefeindlichkeit, die auch in der Kurveund im Ausw\u00e4rtsbus st\u00e4ndig\n gef\u00fchrt wird, ist es notwendig, dass alle Verantwortlichen, von den \nVereinen \u00fcber die Polizei bis hin zu den Fans selbst, eine klare Haltung\n entwickeln.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>In der anschlie\u00dfenden Podiumsdiskussion wurde an praktischen \nBeispielen aus Halle und Dortmund skizziert, welche Faktoren dazu \nbeitragen k\u00f6nnen, die Atmosph\u00e4re in den Fankurven langfristig positiv zu\n gestalten. Zentral ist dabei, die vielen jungen Fans, die sich gegen \nRassismus und Rechtsextremismus engagieren, zu unterst\u00fctzen. Wie dies \ngelingen kann, beschrieb Robert Claus von der Kompetenzgruppe Fanarbeit \nund sportbezogene Sozialarbeit (KoFaS) am Beispiel des umfassenden \nAktionsplans bei Borussia Dortmund. Dieses Konzept aktiviert nicht nur \ndie Fanszene des BVB, sondern nimmt den ganzen Verein, z.B. auch die \nAbteilung \u00d6ffentlichkeitsarbeit oder den Ordnungsdienst, konsequent in \ndie Verantwortung. Zudem endet das Engagement nicht an den Stadiontoren,\n sondern ist eng mit kommunalen Strukturen verzahnt.<\/p>\n\n\n\n<p>Steffen Kluge vom Fanprojekt Halle beschrieb, wie bedeutsam es ist, \nsich den Jugendlichen langfristig vertrauensvoll zuzuwenden und sie in \nkritischer Parteilichkeit auch durch problematische Phasen zu begleiten.\n So kann eine Vertrauensbasis geschaffen werden, um gemeinsam mit den \nFans Projekte zu entwickeln. Das Fanprojekt Halle ist f\u00fcr sein \nEngagement gegen Rassismus und Antisemitismus in diesem Jahr vom DFB als\n eine von drei Initiativen mit dem Julius-Hirsch-Preis ausgezeichnet \nworden. Volker Goll von der KOS sagt: \u201eEs wird viel zu leicht \u00fcbersehen,\n wie viele junge Fans sich seit vielen Jahren gegen Rassismus und f\u00fcr \neine offene und auf Vielfalt beruhende Fankultur engagieren. War die \nFanszene in Deutschland in den 1980er Jahren noch ein Synonym f\u00fcr \nGewalt, Rechtsextremismus und Rassismus, so dominieren heute die \nvielerorts antirassistischen Ultras die Kurven. Diese positive \nVer\u00e4nderung ist auch der langfristig angelegten kontinuierlichen Arbeit \nder Fanprojekte zu verdanken.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Unter den Fanprojekten herrschte in N\u00fcrnberg Einigkeit, dieses \nPotenzial in Zukunft verst\u00e4rkt auch f\u00fcr die Integration von Fl\u00fcchtlingen\n in die Gesellschaft nutzen zu wollen.<\/p>\n\n\n\n<p>Mit Blick auf aktuelle \u00dcberlegungen der Innenpolitik, k\u00fcnftig bei \nsogenannten Risikospielen, die Kartenkontingente f\u00fcr Ausw\u00e4rtsfans zu \nbeschr\u00e4nken, artikuliert Michael Gabriel die Sorge<\/p>\n\n\n\n<p>der Fanprojekte in Deutschland: \u201eEs steht zu bef\u00fcrchten, dass damit \nein Nebenkonflikt er\u00f6ffnet wird, der alle Anstrengungen, die bestehenden\n Problemlagen \u00fcber einen intensivierten Dialog in den Griff zu bekommen,\n konterkariert. Fans d\u00fcrfen nicht ausgesperrt werden, sondern m\u00fcssen als\n Teil der L\u00f6sung verstanden werden!&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundeskonferenz der Fanprojekte fand vom 1. bis 3. Dezember 2015 \nin N\u00fcrnberg statt. Sie wurde ausgerichtet von der Koordinationsstelle \nFanprojekte bei der dsj (KOS) und dem Fanprojekt N\u00fcrnberg. \nAustragungsort war das Caritas-Pirkheimer Haus. Die Bundeskonferenz \nwurde auch durch die Stadt N\u00fcrnberg unterst\u00fctzt.<\/p>\n\n\n\n<p>Die Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) wurde 1993 eingerichtet, um\n die sozialp\u00e4dagogisch arbeitenden Fanprojekte inhaltlich zu begleiten, \nzu koordinieren und bei der Einrichtung weiterer Projekte mitzuwirken. \nGrundlage der Arbeit ist das Nationale Konzept Sport und Sicherheit \n(NKSS), das den inhaltlichen und organisatorischen Rahmen der \nJugendsozialarbeit im Fu\u00dfballbereich absteckt.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Bundeskonferenz der Fanprojekte: Herausforderungen f\u00fcr die soziale Fanarbeit Mit mehr als 170 Teilnehmerinnen und Teilnehmer fand vom 1. bis zum 3. Dezember in N\u00fcrnberg die 15.&nbsp;Bundeskonferenz der Fanprojekte statt. 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