{"id":749,"date":"2011-11-03T08:16:03","date_gmt":"2011-11-03T07:16:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fanprojekt-magdeburg.org\/wp\/?p=749"},"modified":"2019-03-13T08:21:57","modified_gmt":"2019-03-13T07:21:57","slug":"presseschau-gewalt-im-fussball","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fanprojekt.derparitaetische.de\/?p=749","title":{"rendered":"Presseschau: Gewalt im Fu\u00dfball"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">Zum Umgang mit dem Thema Gewalt im Fu\u00dfball <\/p>\n\n\n\n<p><em>Eine Zusammenstellung der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) <\/em><\/p>\n\n\n\n<p>Gewalt  beim Fu\u00dfball war das Thema der vergangenen Woche. Drei Aspekte spielten  dabei eine besondere Rolle: Der vorgestellte Jahresbericht der  Zentralen Informationsstelle Polizeieins\u00e4tze, die live im ZDF gesendete  Partie zwischen Borussia Dortmund und Dynamo Dresden, bei der es zu  Ausschreitungen kam, sowie als wichtiger Hintergrundaspekt die Debatte  um das Thema Pyrotechnik.<\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Unter den zahlreichen Berichten stellte die KOS im Folgenden einige Leseempfehlungen zusammen: Mit dem am Dienstag vorgestellten Jahresbericht der ZIS (Zentrale  Informationsstelle Polizeieins\u00e4tze) besch\u00e4ftigt sich Michael Ostermann  f\u00fcr <em>sportschau<\/em>.<em>de<\/em> unter dem Titel \u201eGest\u00f6rte Kommunikation\u201c. KOS-Leiter Michael Gabriel  weist darauf hin, dass die reinen Zahlen, die mit 846 Verletzten  (Polizisten, \u201eRandalierer\u201c und \u201eUnbeteiligte\u201c) einen Negativrekord  abgeben, in die richtigen Relationen gegen\u00fcber den friedlich ablaufenden  Spielen zu setzen sei. <\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr das <em>Neue Deutschland<\/em> beleuchtet Mark Wolter den ZIS-Bericht.  Der Artikel fragt provokant \u201eGeh\u00f6rt Gewalt zur Fankultur?\u201c und  betrachtet eingehender die Problemfelder Pyrotechnik und die Konflikte  zwischen Ultras und Polizei \u2013 auch am Beispiel des Heimspiels von  Hannover 96, bei dem 36 Fans durch Reizgas verletzt worden. Der Verdacht  auf eingeschmuggeltes Pyromaterial best\u00e4tigte sich nicht.<\/p>\n\n\n\n<p>\u201eNicht nur wilde S\u00e4ue\u201c sieht Johannes Kopp f\u00fcr die <em>taz<\/em> in der Fanszene. Er l\u00e4sst Fanvertreter zu Wort kommen, die den  ZIS-Bericht in eine ganz andere Relation setzen: \u201eGemessen an den  Besuchermengen, sei die Zahl der Verletzten mit der Zahl der beim  M\u00fcnchner Oktoberfest Verletzten vergleichbar, sagt etwa Norbert Harz vom  B\u00fcndnis Aktiver Fu\u00dfball-Fans (BAFF).\u201c <\/p>\n\n\n\n<p>Michael Gabriel von der KOS  betont im Interview zudem die h\u00e4ufig ignorierten positiven Aspekte. So  sei der Start der zweiten Liga im Sommer von viel Panikmache begleitet  worden, \u00fcber die ausbleibende Randale werde jedoch kaum berichtet: \u201eNun  ist es dort ausgesprochen ruhig zugegangen. Jetzt fragt keiner, ob das  Zufall ist oder vielleicht mit einer Entwicklung in der Fanszene  zusammenh\u00e4ngt.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Interessant im Kontext der Frage von Gewalt und Auseinandersetzungen  zwischen B\u00fcrgern und der Polizei ist auch ein Beitrag in der <em>ZEIT<\/em> von Rafael Behr, ehemaliger Dienstgruppenleiter und heute Professor f\u00fcr  Polizeiwissenschaften an der Hochschule der Polizei in Hamburg. Er  besch\u00e4ftigt sich \u2013 allerdings ohne Fu\u00dfballbezug \u2013 mit der Frage, ob die  Gewalt gegen Polizisten wirklich zugenommen habe. Seine Antwort: \u201eDie  Gewaltwahrnehmung und -sensibilit\u00e4t ist, erstens, also gestiegen, nicht  die Gewalt selbst. Als Gewalt wird, zweitens, heute schon empfunden, was  fr\u00fcher noch keine Gewalt war.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">\u201eStadionbesuch weiterhin sicher\u201c<\/h3>\n\n\n\n<p>Nach den Ausschreitungen Dresdner Fans beim Pokalspiel in Dortmund am  Dienstagabend erhielt der ZIS-Bericht ebenso wie das Thema der  Fu\u00dfballgewalt in den kommenden Tagen nicht \u00fcberraschend eine zus\u00e4tzliche  Dynamik. Im Interview mit der <em>Frankfurter Rundschau <\/em>stellt Michael Gabriel klar, dass die Ereignisse in Dortmund keineswegs  allt\u00e4gliche Geschehnisse seien. Die notwendige Relativierung und  Einordnung\u00a0 \u2013 und dazu geh\u00f6re auch die Besch\u00e4ftigung mit den  gesellschaftlichen Ursachen von Gewalt \u2013 werde viel zu schnell als  Verharmlosung missverstanden.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr <em>Spiegel Online<\/em> kommentiert Mike Glindmeier die aktuellen Ereignissen und ruft  insbesondere den DFB zu Besonnenheit und einen differenzierten Blick im  Umgang mit den Ultras auf.<\/p>\n\n\n\n<p>Christoph Ruf wirft f\u00fcr die <em>Frankfurter Rundschau<\/em> einen genaueren Blick auf die randalierenden Dresdner und den  ultratypischen \u00dcberbietungswettkampf mit der Frankfurter Konkurrenz. Er  stellt jedoch auch fest: \u201eDie \u00fcberwiegende Mehrheit der Anh\u00e4nger sind  ganz normale Fu\u00dfballfans, denen das schlechte Image der Szene wohl am  meisten wehtut. Schlie\u00dflich gef\u00e4hrdet es das, was ihnen so viel  bedeutet: Die Existenz des Vereins.\u201c<\/p>\n\n\n\n<p>Auch die Fans selbst besch\u00e4ftigten sich mit den Nachwirkungen des  Pokalspiels. Die Stellungnahme der Dresdner Fangemeinschaft Dynamo e.V. enth\u00e4lt eine deutliche Distanzierung von bestimmten pyrotechnischen  Mitteln ebenso wie von Gewalt, aber auch eine Kritik an Medien und  Verb\u00e4nden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das Dortmunder Fanzine schwatzgelb.de nahm das Pokalspiel und die anschlie\u00dfenden Diskussionen ebenfalls zum  Anlass f\u00fcr einen Beitrag zum Thema Fu\u00dfballgewalt und kritisierte  beispielsweise die allgegenw\u00e4rtige Rede von den \u201esogenannten Fans\u201c: \u201eDie  unangenehme Wahrheit ist, dass die deutliche Mehrheit dieser Leute eben  doch Anh\u00e4nger ihres jeweiligen Vereins sind und dass ihr Verhalten  Ausdruck dieses Fanseins ist. Dies sollte man erst einmal zur Kenntnis  nehmen, denn die Behauptung, Gewaltt\u00e4ter h\u00e4tten per se keine Beziehung  zum jeweiligen Verein, ist erstens gro\u00dfer Unsinn und zweitens f\u00fcr  Vereine und Verb\u00e4nde eine h\u00f6chstwillkommene Ausrede, sich mit dem  Problem nicht allzu sehr auseinandersetzen zu m\u00fcssen: \u201aDie haben mit uns  nichts zu tun. Da k\u00f6nnen wir nichts machen.\u2018\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Pyro und Ultras<\/h3>\n\n\n\n<p>Das Thema Pyrotechnik sollte in seiner Bedeutung f\u00fcr die aktuelle  Eskalation nicht untersch\u00e4tzt werden. Rafael Buschmann konstatiert bei <em>Spiegel Online<\/em>  nach dem Abbruch der Gespr\u00e4che zwischen der bundesweit vernetzten  Pyrotechnikkampagne und den Fu\u00dfballverb\u00e4nden bereits vor den  Pokalspielen eine \u201ePyrotechnik-Offensive&#8220;. Mit diesem Hintergrund besch\u00e4ftigt sich ebenfalls Christoph Ruf, diesmal f\u00fcr die <em>S\u00fcddeutsche Zeitung <\/em>unter der \u00dcberschrift \u201eZ\u00fcndeln, um Macht zu demonstrieren\u201c.<\/p>\n\n\n\n<p>Aus Fanprojektsicht spricht J\u00f6rg Rodenb\u00fcsch, Leiter des Fanprojekts in Saarbr\u00fccken, mit der <em>Saarbr\u00fccker Zeitung<\/em>  \u00fcber die aktuelle Eskalation. Er konstatiert ein Versagen der Verb\u00e4nde:  \u201eDie Ultras glauben nicht mehr an einen ernsthaften Umgang mit ihnen.\u00a0  Wie sollen die moderaten Kr\u00e4fte in ihren Reihen denn nun ihren Leuten  erkl\u00e4ren, dass es weiterhin Sinn macht auf einen l\u00f6sungsorientierten  Dialog zu setzen. Die Form des einseitigen Abbruchs durch die  Verbandsvertreter hat den Ultra-Vertretern jegliches Mandat in ihrer  Szene beraubt. Dieser Eskalationsschritt kann also niemanden  \u00fcberraschen.\u201c<\/p>\n\n\n\n<h3 class=\"wp-block-heading\">Forderung nach differenzierter Berichterstattung<\/h3>\n\n\n\n<p>Neben den hier empfohlenen ausgewogenen Presseberichten finden sich  sowohl in der TV- als auch der Zeitungsberichterstattung zahlreiche  Beispiele f\u00fcr einseitige Schilderungen mit einem hohen Hysteriegehalt  durch die Beschw\u00f6rung von Kriegsszenarien und die Diffamierung ganzer  Fanszenen. Insbesondere die journalistische Begleitung des Pokalabends  stand dabei in der Kritik. Auf dem Blog <em>publikative.org<\/em> nehmen Nicole Selmer und Andrej Reising in zwei Artikeln (\u201eWie erz\u00e4hle ich Fu\u00dfballrandale?\u201c  und \u201eEtwas Besseres als diesen Journalismus\u201c eine medienkritische Betrachtung vor. Die Berichterstattung des ZDF kritisiert auch Peter K\u00f6rte im Blog der <em>faz-community<\/em>. Bei <em>sportal.de<\/em> wirft Daniel Raecke einen Blick auf \u201ePyrotechnik und \u201aGewalt-Wahnsinn\u2018\u201c<\/p>\n\n\n\n<p><em> Quelle: www.kos-fanprojekte.de<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Zum Umgang mit dem Thema Gewalt im Fu\u00dfball Eine Zusammenstellung der Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) Gewalt beim Fu\u00dfball war das Thema der vergangenen Woche. 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