{"id":815,"date":"2010-09-16T10:54:03","date_gmt":"2010-09-16T08:54:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.fanprojekt-magdeburg.org\/wp\/?p=815"},"modified":"2019-03-13T10:57:33","modified_gmt":"2019-03-13T09:57:33","slug":"bag-tagung-in-jena","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/www.fanprojekt.derparitaetische.de\/?p=815","title":{"rendered":"BAG-Tagung in Jena"},"content":{"rendered":"\n<p class=\"has-medium-font-size\">13. Bundeskonferenz der Fanprojekte<\/p>\n\n\n\n<p>Die Bundeskonferenz wurde vom 7. bis 9. September von der  Koordinationsstelle Fanprojekte (KOS) gemeinsam mit dem Fanprojekt Jena  ausgerichtet. An der Konferenz nahmen 110 Mitarbeiter\/innen aus 48  lokalen Fanprojekten, mehrere Fanbeauftragte aus den Vereinen, geladene  Fachleute und interessierte G\u00e4ste teil.<\/p>\n\n\n\n<p>Unter dem Motto \u201eSelbstregulierung schafft Freir\u00e4ume&#8220; legte die  Bundeskonferenz am ersten Tag den Schwerpunkt auf das Verh\u00e4ltnis  zwischen Fu\u00dfballfans und Polizei. <\/p>\n\n\n\n<!--more-->\n\n\n\n<p>Prof. Dr. Clifford Stott von \nder Universit\u00e4t Liverpool referierte \u00fcber seine Forschungsergebnisse der\n psychologischen Abl\u00e4ufe innerhalb von Menschenansammlungen. Er zeigte \ndazu Beispiele auf, wie Polizeieinsatztaktiken mit demonstrativer \nPr\u00e4sens kontraproduktiv wirken k\u00f6nnen. <br>Stott will mit dem Modell der\n \u201eGood Practice&#8220; erreichen, dass verst\u00e4rkt von positiven Erfahrungen \neines defensiven Polizeiverhaltens bei Gro\u00dfveranstaltungen in einzelnen \nSt\u00e4dten und L\u00e4ndern profitiert werden kann. <\/p>\n\n\n\n<div class=\"wp-block-image\"><figure class=\"alignleft\"><img decoding=\"async\" loading=\"lazy\" width=\"93\" height=\"123\" src=\"http:\/\/www.fanprojekt-magdeburg.org\/wp\/wp-content\/uploads\/2019\/02\/logo_d_bag_s.jpg\" alt=\"\" class=\"wp-image-187\"\/><\/figure><\/div>\n\n\n\n<p>In der sich  anschlie\u00dfenden Podiumsdiskussion wurden die wissenschaftlichen  Erkenntnisse aufgegriffen und die Auswirkungen polizeilichen  Einsatzhandelns auf Menschenmengen beim Fu\u00dfball diskutiert. <br>\u00a0An der  Podiumsdiskussion nahmen Prof. Dr. Stott, Chrisitoph Lipp vom  Bundesinnenministerium, Anwalt und Fanvertreter Stefan Minden,  Polizeioberrat Landespolizei Th\u00fcringen Ren\u00e9 Treunert und G\u00fcnther Krause  vom Fanprojekt M\u00fcnchen teil<\/p>\n\n\n\n<p>Am zweiten Konferenztag standen in 4 Workshops die praktische Arbeit\n in den Fanprojekten und der fachliche Austausch der Mitarbeiterinnen \nund Mitarbeiter im Mittelpunkt. In vier Gruppen wurden an den Themen: \nGeschlechtsbewusste Fansozialarbeit mit Jungen, U16\/U18 Fahrten, \nFanprojektt\u00e4tigkeiten am Spieltag und Fanprojekte im Umgang mit der \nPolizei gearbeitet.<br>Beschlossen wurde die Konferenz am dritten Tag \nmit einem R\u00fcckblick auf die f\u00fcnfw\u00f6chige Fanbetreuung bei der \nWeltmeisterschaft 2010 in S\u00fcdafrika und dem Ausblick auf die im Jahr \n2012 anstehende Europameisterschaft in Polen und der Ukraine. Dazu \ninformierte Dr. Dariusz Lapinski vom staatlichen polnischen \nOrganisationskomitee der Euro 2012 \u00fcber die Patenschaften f\u00fcr den Aufbau\n von Fanprojekten in Polen. <br>Das Fanprojekt Magdeburg wird die \nPatenschaft f\u00fcr das Fanprojekt von Ruch Chorzow \u00fcbernehmen und im \nDezember an einem internationalen Workshop in Chorzow teilnehmen.<br>Informationen zu dem Programm und den Pressemeldungen findet ihr in den weiterf\u00fchrenden Links: <\/p>\n\n\n\n<p><strong>S\u00fcddeutsche Zeitung vom Freitag, den 10. September 2010<\/strong><br><em>Von Christoph Ruf<\/em><\/p>\n\n\n\n<p class=\"has-medium-font-size\">\u201eAm liebsten w\u00fcrden wir nur den Verkehr regeln&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Beim Bundeskongress der Fanprojekte in Jena wird mit der Polizei \u00fcber den Slogan \u201eKommunikation schafft Sicherheit&#8220; diskutiert.<br>Eine  Hundertschaft Polizei, Helme, Schlagst\u00f6cke, Sch\u00e4ferhunde \u2013 das ist oft  das Erste, was Fans sehen, wenn sie am Spieltag den Bahnhof verlassen.  Hinter ihnen liegt dann bereits eine stundenlange Fahrt in einem  \u00fcberf\u00fcllten Sonderzug. Vor ihnen ein Fu\u00dfmarsch zum Stadion, links und  rechts von einer Polizeieskorte eingezw\u00e4ngt. Beim Bundeskongress der 48  deutschen Fanprojekte, der am Donnerstag in Jena zu Ende ging, berichten  viele Basisvertreter \u00fcber Panikattacken von Fans, die stundenlang auf  engstem Raum ausharren m\u00fcssten. In Ausnahmef\u00e4llen n\u00e4ssten sich Fans ein,  weil ihnen von der Polizei aus Sicherheitsgr\u00fcnden der Toilettengang  verwehrt werde.<\/p>\n\n\n\n<p>F\u00fcr ihren Slogan \u201eKommunikation schafft Sicherheit&#8220; hatten sich  die Fanprojektler wissenschaftlichen Beistand organisiert. Hauptredner  am ersten Tag war Professor Clifford Stott aus Liverpool, der eine allzu  demonstrative Polizeipr\u00e4senz f\u00fcr kontraproduktiv h\u00e4lt: \u201eAlle Fans  empfinden es als illegitim, von Vorneherein wie Schwerverbrecher  behandelt zu werden.&#8220; Das f\u00fchre erst dazu, dass sich die Masse der  friedlichen Fans mit den wenigen solidarisieren, die auf Gewalt aus  sind. \u201eDann erst wird es gef\u00e4hrlich.&#8220;<br>Stott hat \u00fcber mehrere Jahre europaweit die psychologischen Abl\u00e4ufe innerhalb von<br>Menschenansammlungen  untersucht und festgestellt, dass die Einsatztaktik der Polizei die  Gewalt oft nicht verhindere, sondern sie erst erzeuge. Seit in England  ein unbeteiligter Zeitungsverk\u00e4ufer infolge eines Polizeieinsatzes am  Rande einer Anti-G8-Demo starb, sei auf der Insel die Vorgehensweise der  Polizei in die Diskussion geraten. \u201eIch hoffe, dass es in Deutschland  nicht erst Tote geben muss, bis die Debatte einsetzt&#8220;, so Stott. Auf der  Insel legten die Polizisten nun zuweilen mehr Wert auf Deeskalation und  warteten h\u00e4ufiger einsatzbereit in einer Nebenstra\u00dfe.<\/p>\n\n\n\n<p>Christoph Lipp, der Vertreter des Bindesinnenministeriums, zeigte  sich erstaunt \u00fcber manche Wortmeldungen. \u201eDie Polizei ist nicht der  Aggressor&#8220;, sagte er, \u201eam liebsten w\u00e4re uns doch, wenn wir am Spieltag  nur den Verkehr regeln m\u00fcssten.&#8220; Die Klage \u00fcber die eineinhalb Millionen  Einsatzstunden pro Saison bei Fu\u00dfballspielen sei eben nicht nur ein  Lobbyargument, wie die Fanlobbyisten in Jena finden. In der Tat lassen  auch manche Fanvertreter durchblicken, dass in vielen Ultraszenen das  Feindbild Polizei so verfestigt ist, dass nicht die Exekutive, sondern  die Fans das Gespr\u00e4ch verweigern. Das Problem sei aber, dass die  Situation am Spieltag oft nur deshalb eskaliere, weil B\u00fcrgerrechte schon  pr\u00e4ventiv massiv eingeschr\u00e4nkt wurden.<\/p>\n\n\n\n<p>Das findet auch der Anwalt Stefan Minden, der als Fan der Frankfurter Eintracht an den<br>meisten  Ausw\u00e4rtsfahrten teilnimmt und der Polizei eine neue Sichtweise nahe  legt:  &#8222;Bisher hei\u00dft es: Es ist etwas passiert, obwohl 100 Polizisten  vor Ort waren, probieren wir es n\u00e4chstes Mal mit 200.&#8220; Minden schl\u00e4gt  das Gegenteil vor: \u201eKennen Sie ein einziges Beispiel, wo es zu  Aggression kam, weil zu wenig Polizei da war?&#8220; Christoph Lipp vom  Innenministerium scheint nicht \u00fcberzeugt zu sein: \u201eDas Beste w\u00e4re, wenn  die friedlichen Fans die gewaltbereiten ausgrenzen.&#8220;<\/p>\n\n\n\n<p>Auch G\u00fcnter Krause vom M\u00fcnchner Fanprojekt meint Abhilfe zu  kennen \u2013 zumindest was die Wochenendgestaltung der Beamten angeht. Bei  vielen Spielen seien n\u00e4mlich nur deshalb Gro\u00dfaufgebote am Ort, weil die  Ausgangslage falsch eingesch\u00e4tzt werde. Wie beim Drittliga-Spiel von CZ  Jena bei der U23 des FC Bayern. \u201eDa h\u00e4tten ein paar Polizisten freies  Wochenende machen k\u00f6nnen. Dass nichts passieren w\u00fcrde, weil beide  Ultragruppen befreundet sind, h\u00e4tten wir ihnen gleich sagen k\u00f6nnen.&#8220;  Oder auch nicht: In M\u00fcnchen finden Sicherheitsbesprechungen n\u00e4mlich ohne  Vertreter der Fanprojekte statt.<\/p>\n\n\n\n<p>Das irritiert auch Jenas Polizeichef Ren\u00e9 Treunert. Beim  \u00f6rtlichen Drittligisten FC Carl Zeiss sei es gang und g\u00e4be, dass die  Einsch\u00e4tzung der Fanexperten eingeholt wird, auch w\u00e4hrend des Spiels  spreche er mit Fanprojektleiter Matthias Stein. \u201eKommunikation&#8220;, sagt  Treunert, \u201eist die Hauptaufgabe der Polizei. Das gilt auch f\u00fcr die  Eins\u00e4tze, die uns noch mehr Energie kosten: da geht es dann um h\u00e4usliche  Gewalt.&#8220;<br>Einen massiven Polizeieinsatz hat j\u00fcngst hingegen Volker  Goll von der Koordinationsstelle der Fanprojekte (KOS) erlebt. F\u00fcr  kritikw\u00fcrdig h\u00e4lt er ihn nicht \u2013 im Gegenteil. Das Spiel der deutschen  Nationalelf in Belgien h\u00e4tten erstmals seit langem wieder viele  Hooligans als B\u00fchne auserkoren \u2013 die Szene tritt im Ligaalltag kaum noch  in Erscheinung. <\/p>\n\n\n\n<p>In Br\u00fcssel hingegen randalierten Dutzende in der  Innenstadt, skandierten \u201eSarrazin&#8220; und rechtsradikale Parolen. \u201eDa gab  es dann einen Polizeieinsatz, wo ich nur sagen kann: Selbst schuld&#8220;,  sagt Goll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>13. Bundeskonferenz der Fanprojekte Die Bundeskonferenz wurde vom 7. bis 9. 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